Søren Schaffstein Mario Lubenka
08.07.2024

Lesezeit: 5 Minuten

Schätzen von Aufwänden in Scrum-Teams: Ein Blick hinter die Kulissen

Männliche Person mit einer Karte vor dem Gesicht


In modernen agilen Entwicklungsteams spielt die Aufwandsschätzung eine zentrale Rolle. Als Team, das seit vielen Jahren sehr kooperativ und produktiv mit unserem Kunden ACO zusammenarbeitet, haben wir unser eigenes Schätzverfahren etabliert. Unser Verfahren basiert auf dem relativen Schätzen anhand von Story-Points.

In diesem Blogbeitrag möchten wir einen Einblick in unsere Schätzpraxis geben und erläutern, warum wir genau so schätzen, wie wir schätzen.

Warum Story-Points und keine Zeitschätzungen?

In vielen agilen Teams, darunter auch unserem, haben sich Story-Points als Standardmethode für die Aufwandsschätzung durchgesetzt. Im Gegensatz zu Zeitschätzungen erfassen Story-Points nicht die benötigte Zeit für die Erledigung einer Aufgabe, sondern deren Komplexität. Dies hat den Vorteil, dass sie unabhängig von externen Faktoren, wie z. B. der Arbeitsgeschwindigkeit einzelner Teammitglieder, sind.
(Wie wir damit trotzdem auch zu akzeptablen Einschätzungen der Arbeitszeit kommen, betrachten wir im nächsten Artikel »Wie gelingt gute Zeitschätzung trotz Story-Points?«)

Gemäß der Fibonacci-Folge verwenden wir die Werte 1, 2, 3, 5, 8 und 13. Diese Zahlen helfen uns, die relative Komplexität von Aufgaben besser einzuschätzen, da sich die Abstände zwischen den Zahlen exponentiell vergrößern.

Zusätzlich zu den numerischen Werten nutzen wir zwei spezielle Symbole:

- E: Enthaltung. Wird gewählt, wenn sich ein Teammitglied – warum auch immer – nicht in der Lage sieht, eine qualifizierte Schätzung abzugeben.
- ?: Zeichen für »Das Item ist noch nicht schätzbereit.« Dies signalisiert, dass weitere Informationen oder Klarstellungen notwendig sind, bevor eine valide Schätzung erfolgen kann. (siehe "Definition of Ready" (DoR))
 

Unsere Schätzmethodik: Schnell und effektiv

Unsere Schätzungen folgen einem zentralen Grundsatz: Schnelle und prägnante Schätzungen sind besser als langsame und vermeintlich genauere Schätzungen.
Durch diesen Ansatz stellen wir sicher, dass wir nicht unnötig Zeit mit endlosen Diskussionen verlieren, die unsere Schätzung nicht nennenswert besser machen. Denn Schätzungen sind in ihrer Natur nicht exakt. Daher möchten wir unsere Zeit sinnvoller nutzen, als mit 7 Personen 10 Minuten lang zu diskutieren, ob es sich um eine 3 oder eine 5 handelt.
 

Der Ablauf: Das Scrum-Poker-Prinzip

Wir schätzen nach dem Scrum-Poker-Prinzip. Zur Unterstützung nutzen wir das Tool Scrum Poker Online. Dieses digitale Werkzeug ermöglicht es uns, effizient und ortsunabhängig Schätzungen durchzuführen, was besonders in Zeiten von Remote-Arbeit und verteilten Teams von Vorteil ist.
Dabei gibt jedes Teammitglied verdeckt eine Schätzung zur Komplexität eines Items ab. Danach erfolgt die Auswertung und Entscheidung für den Story-Point-Wert des Items basierend auf unseren klar definierten Kriterien:

Gleicher Wert: Haben alle denselben Wert geschätzt, ist die Schätzung abgeschlossen.

Abweichung um 1: Bei einer minimalen Abweichung von einer Kategorie (z. B. zwischen 5 und 8) wählen wir die höhere Kategorie.
Ausnahme: Gibt es nur eine Schätzung, die höher ist als alle anderen (z. B. 6 x 3 SP und 1 x 5 SP), wird dieser Ausreißer – nach Konsens mit dem Schätzenden des Höchstwerts – ignoriert.

Abweichung um 2: Wenn die Schätzungen um zwei Kategorien variieren (z. B. 3, 5, 8), übernehmen wir den mittleren Wert (im Beispiel 5).

Abweichung um 3 oder mehr: Bei größeren Abweichungen (z. B. 3, 5, 8, 13 oder 2, 3, 8) erhalten die höchsten und niedrigsten Schätzer Gelegenheit, ihre Argumente kurz vorzutragen. Danach diskutiert das gesamte Team bei Bedarf kurz und es wird erneut geschätzt.
 

Der Kern unserer Schätzkultur

Was macht unsere Schätzmethodik so effizient und erfolgreich?

In unseren Augen sind es diese Schlüsselaspekte:

Konsistenz und Klarheit: Durch klare, einfache Regeln vermeiden wir unnötige Komplexität und Missverständnisse.
Einhaltung unseres Grundsatzes: Schnelligkeit und Effizienz sind wichtiger als übertriebene Genauigkeit. Perfektionismus ist hier nicht das Ziel.
Gleichzeitige Beteiligung aller Teammitglieder: Jeder hat eine Stimme und kann seine Einschätzung abgeben, was zu besseren, kooperativen Entscheidungen führt.

Ein zusätzlicher Aspekt der Schätzmethode besteht darin als Team ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe zu entwickeln und die Prioritäten entsprechend zu setzen.

Wir hoffen, dieser Einblick in unsere Schätzpraxis war für Sie informativ und inspirierend. Vielleicht können Sie einige unserer Ansätze sogar in Ihren eigenen Teams integrieren und von den Vorteilen profitieren.

== Happy estimating! ==

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