Was ist Kanban?

Kanban ist eine agile Methode zur Visualisierung und Steuerung von Arbeitsabläufen. Ursprünglich in der Toyota-Produktion entwickelt, wird Kanban heute vor allem in der Softwareentwicklung und in wissensintensiven Bereichen eingesetzt. Im Zentrum steht ein sichtbarer Workflow, der hilft, Arbeit zu steuern, Engpässe zu erkennen und den Durchsatz kontinuierlich zu verbessern.

Was sind die Grundprinzipien von Kanban?

  • Das erste Prinzip lautet: Visualisiere den Arbeitsfluss.
    Aufgaben werden auf einem Board dargestellt, das in Spalten für verschiedene Prozessphasen (z. B. „To Do“, „Doing“, „Review“, „Done“) unterteilt ist. Jede Karte auf dem Board repräsentiert eine Aufgabe und macht sichtbar, wo sie sich im Prozess befindet.

  • Das zweite Prinzip ist: Limitiere Work in Progress (WIP).
    Für jede aktive Spalte wird eine maximale Anzahl paralleler Aufgaben festgelegt. Diese Begrenzung verhindert Überlastung, fördert Fokus und führt dazu, dass begonnene Aufgaben abgeschlossen werden, bevor neue gestartet werden.
  • Drittens: Manage den Fluss.
    Teams beobachten, wie Aufgaben durch den Prozess wandern, identifizieren Engpässe, messen Durchlaufzeiten und leiten daraus Verbesserungen ab. Ziel ist ein möglichst gleichmäßiger, stabiler Flow statt Spitzen und Staus.
  • Viertens: Mache Prozessregeln explizit.
    Dazu gehören etwa eine gemeinsame „Definition of Done“, klare Kriterien, wann eine Karte in die nächste Spalte wechseln darf, und Regeln für Priorisierung.
  • Fünftens: Implementiere Feedback-Schleifen.
    Regelmäßige Reviews, Retrospektiven und die Auswertung von Metriken helfen, den Prozess anzupassen.
  • Sechstens: Verbessere kollaborativ und experimentell.
    Kanban setzt auf kleine, kontinuierliche Verbesserungen, die im Team vereinbart, getestet und auf Basis von Daten bewertet werden.

Das Kanban-Board

Ein typisches Kanban-Board bildet den Workflow in Spalten ab, etwa „Backlog“, „To Do“, „Doing“, „Review“ und „Done“. Aufgaben werden als Karten von links nach rechts verschoben, sobald sie in eine neue Phase eintreten. WIP-Limits sind häufig direkt an den Spalten vermerkt (z. B. „Doing (WIP: 2)“), sodass auf einen Blick erkennbar ist, ob ein Bereich überlastet ist. Das Board kann physisch (z. B. Whiteboard mit Post-its) oder digital (z. B. in Tools wie Jira oder Trello) geführt werden.

Kanban vs. Scrum

Kanban und Scrum gehören beide zur agilen Familie, unterscheiden sich aber im Ansatz. Kanban arbeitet mit einem kontinuierlichen Fluss ohne feste Iterationen, während Scrum mit klar definierten Sprints (Timeboxing) arbeitet. Kanban schreibt keine festen Rollen vor, Scrum hingegen definiert Rollen wie Scrum Master, Product Owner und Entwicklungsteam. Änderungen am Scope sind in Kanban jederzeit möglich, in Scrum werden sie typischerweise zwischen den Sprints geplant. Kanban setzt stärker auf „Just-in-Time“-Planung und Metriken wie Lead Time und Throughput, während Scrum vor allem mit Velocity und festen Meetings (Ceremonies) wie Sprint Planning, Review und Retrospektive arbeitet.

Zentrale Kanban-Metriken

  • Zur Steuerung und Optimierung des Prozesses nutzt Kanban einige Kernmetriken. 
  • Die Lead Time misst die Zeit von der Anforderung bis zur Auslieferung einer Aufgabe.
  • Die Cycle Time betrachtet die Zeitspanne von Beginn der aktiven Bearbeitung bis zur Fertigstellung.
  • Der Throughput gibt an, wie viele Aufgaben in einem bestimmten Zeitraum erledigt werden.
  • Das WIP (Work in Progress) beschreibt, wie viele Aufgaben gleichzeitig in Bearbeitung sind.
  • Ein Cumulative Flow Diagram visualisiert diese Aspekte über die Zeit und macht sichtbar, in welchen Prozessphasen sich Arbeit staut und wo Engpässe entstehen.

Welche Tools sind für Kanban sinnvoll?

Kanban lässt sich mit verschiedenen Werkzeugen umsetzen. Im Enterprise-Umfeld ist Jira weit verbreitet, während Trello und Asana einfache, visuelle Boards für Teams jeder Größe bieten. Für Entwicklungsteams eignen sich GitHub Projects oder ähnliche Repo-nahe Tools. Notion bietet Kanban-Boards als Teil einer All-in-One-Plattform. Viele Teams nutzen außerdem weiterhin physische Boards mit Karten oder Post-its, insbesondere wenn sie gemeinsam vor Ort arbeiten.

Wann eignet sich Kanban?

Kanban ist besonders geeignet für Support- und Wartungsteams, für kontinuierliche Arbeit mit wechselnden Prioritäten und für Teams, die ohne feste Sprints arbeiten möchten. Es passt gut, wenn Aufgaben in einem stetigen Strom eingehen und flexibel priorisiert werden müssen. Weniger geeignet ist Kanban dort, wo starte Deadlines, umfangreiches Timeboxing oder stark strukturierte Projektphasen im Vordergrund stehen. In solchen Fällen kann eine Kombination aus Kanban-Prinzipien und anderen Methoden (z. B. Scrum oder klassischem Projektmanagement) sinnvoll sein.

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