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The Cämp 2026: Was die TYPO3 Community gerade wirklich bewegt
Zwei Tage The Cämp, drei Gedanken im Gepäck
Es gibt Veranstaltungen, von denen man am Sonntagabend müde nach Hause fährt und merkt, dass die Müdigkeit der angenehme Teil ist. The Cämp am 9. und 10. Mai 2026 war so eine. Zwei Tage Barcamp auf dem Gelände der SRH in Heidelberg, sieben parallele Räume, vom Hörsaal bis hinunter ins Salomon im Untergeschoss. Zwischen den Sessions ging man kurz an die Luft und schaute den Halsbandsittichen zu, die hier ganz selbstverständlich über den Campus flogen. Wer mochte, konnte sich noch einen Bummel durch die Altstadt erlauben, der Weg ist kurz genug dafür.
Ich hatte selbst zwei Sessions im Programm, einmal zu SOLR v10 und einmal zum Cyber Resilience Act, und dazu durfte ich eine Runde zu TYPO3-Upgrades mit AI moderieren. Meine SOLR-Session habe ich mit der Zeile "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren" gepitcht, was an dem Ort fast obligatorisch ist und für ein paar Lacher sorgte. Allein diese Mischung aus Vektorsuche, Compliance und Schlager beschreibt eigentlich schon ganz gut, wo die TYPO3 Community gerade steht.
Und diese drei Dinge nehme ich mit.
Die KI-Welle ist im Maschinenraum angekommen
Wer das Sessionboard angeschaut hat, konnte sich kaum entscheiden. Claude Code Skill für TYPO3, Embeddings bei Frank Berger, der Extension AI Generator von Martin Helmich, am Sonntag Web MCP, KI-TYPO3-Updates, ein Roundtable zu KI-Awareness und Security. Vor anderthalb Jahren wäre eine einzige solche Session ein Impulsvortrag in die Runde gewesen, jetzt ist es ein Querschnitt. Die Leute, die diese Sessions halten, bauen nicht mehr aus Neugier. Sie bauen, weil sie es im Kundenprojekt benötigen. Aus einem Trendthema ist eine Werkbank geworden.
Besonders deutlich wurde das in der Runde zu Upgrades mit AI. Upgrade-Projekte sind seit Jahren der vielleicht undankbarste Teil unseres Geschäfts, notwendig, aufwändig, selten sichtbar nach außen. Genau dort, wo sich am wenigsten glamouröse Routine ansammelt, sind Agenten plötzlich nützlich. Nicht als Ersatz für Entwicklerinnen und Entwickler, sondern als Vorarbeiter, der die ersten 90 Prozent eines Migrationsdiffs vorbereitet. Niemand in der Runde hat behauptet, der Agent löse das Problem; alle haben darüber geredet, wie man ihn so einbettet, dass er das Problem kleiner macht. Das ist die richtige Frage. Und sie war typisch für den ganzen KI-Strang, in dem es weniger um Technik ging als um Verantwortung. Wem gehört das Embedding? Wie verhält sich ein Agent zu einer Redaktion? Eine Community, die so fragt, lässt sich von der Technik nicht treiben, sondern verarbeitet sie.
Regulierung als Gestaltungsraum
Meine CRA-Session war der unerwartet gute Teil meines Samstags. Nicht, weil ich viel Neues erzählt hätte; das meiste haben wir in den letzten Monaten in der Open Website Alliance ohnehin durchgekaut. Sondern weil im Raum spürbar war, dass die Wahrnehmung sich verschiebt. Vor einem Jahr saß man bei solchen Sessions mit der Haltung “Das wird uns irgendwie treffen” hoffentlich nicht so hart. Diesmal saß man drin und fragte konkret. Was muss in meiner Extension stehen? Was bedeutet „Manufacturer“ für mein Agenturgeschäft? Aus diffuser Sorge wird Arbeit, die man tun kann.
Die Sessions zu TYPO3 Governance und zum strategischen Konzept gehören für mich in dieselbe Bewegung. Eine Community, die ihre eigene Struktur diskutiert, während sie regulatorischen Anforderungen begegnet, ist erwachsener als eine, die nur Code produziert.
Das Format trägt
Ein letzter Gedanke. Ein Barcamp lebt davon, dass jemand am Morgen aufsteht und eine Session anbietet, und dass andere sich dazu entscheiden, zuzuhören. Eine unaufgeregte Form von Gemeinschaft, die nur funktioniert, solange die Beteiligten sie ernst nehmen. Am The Cämp war das spürbar, vom PowerPoint-Karaoke am Sonntagvormittag bis zur Abschlusssession um drei. Niemand musste das Format erklären; alle haben es einfach gemacht.
Auf der Heimfahrt habe ich mir das Lied noch einmal angehört, das ich am Morgen so leichtsinnig zitiert hatte. So würde man das heute nicht mehr komponieren. Und doch bleibt etwas darin, das überdauert: die Vorstellung, dass ein Ort und eine Begegnung sich einprägen können, einfach weil man am richtigen Tag da war. Die Themen werden härter, die Regulierung ernster, die Technik schneller. Aber das Gefäß, in dem die Community darüber spricht, hält. Und das ist in Zeiten wie diesen nicht selbstverständlich.
Bis zum nächsten Mal :)
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