LKCE 2019 Hamburg

Lean Kanban Central Europe 2019

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Johannes Heymann

Hamburg im Regen

Nirgendwo strahlt der Himmel so schön grau wie in Hamburg! Genau dieses Motto verfolgte das Wetter auch während unseres Besuchs in Hamburg auf der Konferenz »Lean Kanban Central Europe« im November 2019. Als Besucher mit dabei waren Alexander Degelmann und ich, Johannes Heymann. Eine in allen Punkten gelungene Konferenz zu den Themen Lean und Kanban, machte die Wetter-Verhältnisse allerdings fast unbedeutend.

Der graue November-Himmel trübte auch nur unwesentlich den fantastischen Ausblick, den wir über quasi komplett Hamburg von der Event Location aus hatten. Das Nord Event Panoramadeck (23. Stock) hat hier gerade zu Beginn für viele Fotos und zahlreiche verträumte Blicke in die Ferne unter den gut 250-300 Teilnehmern gesorgt. Es war dann auf gewisse Weise eine besondere Leistung der Vortragenden und der Konferenz-Atmosphäre, dass dieser Ausblick innerhalb kürzester Zeit in den Hintergrund rückte. Waren doch die Inhalte der Konferenz so reichlich und vor allem überzeugend.

Erste Keynote und Messe der LKCE 2019

Die Konferenz began mit der Keynote von David J. Anderson, demjenigen der Kanban-Prinzipien von der Automotive-Welt (Toyota) in die Software-Entwicklung übertragen hat. Er sprach über das Kanban-Maturity-Model, welches den Teams und Unternehmen erlaubt, ihren Entwicklungsstand im Bereich agile Arbeitsweisen einzuordnen. Für jede Stufe liefert das Konzept dann Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung – ganz im Sinne des Kaizen.

Auf diese Keynote folgend teilte sich das Konferenz-Programm in zwei Bereiche, so dass sich meistens für jeden Teilnehmer etwas fand. Sollte einmal kein Vortrag interessant sein, gab es eine ruhige Breakout-Area mit Snacks und Getränken sowie einer handvoll Messe-Ständen. Dort konnte man sich mit Mitarbeitern der Sponsor-Firmen, z.B. it-agile, leanovate oder auch dpunkt.verlag, austauschen, spielerisch an einer selbstgebauten Murmel-Bahn das eigene Kanban-Level erfahren oder Materialien für die tägliche Arbeit ergattern. So z.B. ein Poster des Kanban-Maturity-Model für das eigene Büro.

Vorträge und Abendunterhaltung

Die weiteren Vorträge des Tages waren allesamt spannend und lehrreich. So konnte ich persönlich einige Anregungen zum Thema Analyse und Verbesserung von Team-Prozessen bei Boris Karl Schlein (Kühne+Nagel) in seinem Vortrag »Two epics per week« lernen. Ebenfalls am Punkt Analyse des bestehenden Systems setzte Todd Little mit seinem Vortrag zu Projektrisiken »Risk and strategy« an und machte deutlich, wie sehr zielorientiertes Projektmanagement davon abhängt, dass die eigene Arbeitsweise und Projektumgebung umfassend verstanden und reflektiert wird: „If you want to manage risk, you have to deal with reality.“ Wiederholt zeigte sich für mich in den Vorträgen wie sinnvoll der regelmäßige, intensive und insbesondere auch analytische Blick zurück auf die eigene Arbeit und ihre Abläufe ist.

Im Sinne der Unterhaltung war der Höhepunkt schließlich die zweite Keynote am Abend des ersten Tages. George Parker sprach über Perspektiven und wie sie unsere Wahrnehmung der Realität bestimmen. Mit zahlreichen Tricks verzauberte er im wahrsten Sinne des Wortes das Publikum und verdeutlichte damit nicht nur seine Aussagen, sondern machte so das Gesagte unmittelbar für jeden Teilnehmer erfahrbar. Gefolgt wurde dies von einem entspannten Abend-Event. Es gab hervorragendes Essen, reichlich Getränke und spielerische Attraktionen (Spiel-Casino), die sich sehr zum Austausch zwischen den Teilnehmern anboten.

Zweiter Tag auf der LCKE 2019

Der zweite Tag startete mit einem Vortrag von Yves Morieux von BCG zum Thema »Komplexität der heutigen Arbeitswelt«. In einer sehr lebhaften Rede stellte er heraus, wie Management seiner Ansicht nach strikt vereinfacht werden kann. Die Notwendigkeit dieser Vereinfachung leitete er von einer Gegenüberstellung steigender Aufgaben-Komplexität bei gleichzeitigen Sinken der Produktivität ab. Auch wenn mir seine Analysen persönlich etwas zu holzschnittartig und anekdotisch belegt waren, fand ich sein Konzept der Six Simple Steps auf jeden Fall einen zweiten Blick wert. Insbesondere für Menschen, die im Bereich Teamführung und Teamentwicklung tätig sind, könnte sein gleich benanntes Buch attraktiv sein.

Der weitere Tag war für mich vor allem geprägt durch Voträge zum Thema der team- und unternehmensübergreifenden Einsatzmöglichkeiten von Kanban-Systemen. Dies begann schon mit Klaus Leopold, der sein Konzept der »Flight Levels« (siehe hierzu auch sein Buch Kanban in der Praxis) anhand von zwei Beispielen vorstellte. Jochen Goeser und Carmen Knippenberg vertieften diese Thematik nochmals, indem sie vorstellten, wie bei Bosch Power Tools über Teams hinweg mit Kanban gearbeitet und die teamübergreifende Koordination geleistet wird. Da hier keine Software, sondern Produkte für Heim- und Handwerker entwickelt werden, war dies ein für mich als IT-Projektleiter recht aufschlussreicher Vortrag.

Ende und Fazit

Mehr im mir vertrauten Bereich, der Software-Entwicklung, bewegten sich Daniel Schimera und Bea Knippenberg von REWE Digital, die von ihren glücklichen Erfahrungen einer agilen Umkrempelung ihrer Mittelfristplanung (Mifri) berichteten. Weg von einer sich „von oben“ durchdiffundierenden Strategie, hin zu einer sich „aus der Basis“ entwickelnden, quasi rollierenden Portfolio-Planung.

Der Tag endete für mich im Vortrag von Sven Ditz und Gina Steiner von sitegeist, in welchem sie ihr Konzept »RE.A.L. customer agility« vorstellten. Dabei handelt es sich um ihre Interpretation der Konzepte rund um #NoEstimates, was insbesondere für Agenturen interessant sein kann.

Im Großen und Ganzen war es eine sehr gelungene Konferenz, die ich allen ans Herz legen würde, die sich beruflich intensiv mit Kanban beschäftigen oder dessen Einsatz planen. Des Weiteren lassen sich Inspirationen und Gedanken zu Lean und Agilen Arbeiten mitnehmen. Der Fokus der Konferenz liegt aber klar auf Kanban.


Über den Autor

Johannes Heymann

Johannes Heymann ist Projekt- und Teamleiter bei der dkd Internet Service GmbH mit Schwerpunkten in TYPO3- und Shopware-Projekten.

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